Design-Learnings aus Stadt-Branding & Konzeptwettbewerben
Konzeption – Unser Ansatz bei Stadtischen Design-Ausschreibungen
Verstehen vor Gestalten
Am Anfang steht für uns immer die Frage: Worum geht es hier eigentlich wirklich? Wir arbeiten uns in bestehende Strukturen ein, lesen Ausschreibungen, analysieren vorhandene Materialien und versuchen, die eigentliche Aufgabenstellung hinter den formalen Anforderungen zu verstehen. Oft liegt genau dort der Schlüssel für ein tragfähiges Konzept.
Vor Ort denken
Ein entscheidender Schritt ist der Besuch vor Ort. Wir schauen uns die Stadt an, bewegen uns durch den Raum, fotografieren, machen Notizen und versuchen, ein Gefühl für Atmosphäre, Struktur und Identität zu bekommen. Dabei geht es nicht um spektakuläre Eindrücke, sondern um Details:
Von der Analyse zur Leitidee
Aus Recherche und Kontext entwickelt sich schrittweise eine strategische Leitidee. Sie ist das Fundament des gesamten Konzepts. Eine gute Leitidee verbindet inhaltliche Klarheit mit gestalterischer Offenheit. Gerade in Wettbewerbsverfahren muss sie zwei Ebenen tragen:
Systeme statt Einzelideen
Im öffentlichen Kontext reicht ein starkes Zeichen allein nicht aus. Ein Erscheinungsbild muss langfristig funktionieren und unterschiedlichste Anwendungen abdecken – von digitalen Medien bis hin zum Stadtraum. Deshalb denken wir frühzeitig in Systemen und in Grids. Dazu gehören:
Argumentation als Teil der Gestaltung
Ein Wettbewerbsbeitrag ist immer auch eine inhaltliche Position. Deshalb strukturieren wir unsere Präsentationen so, dass der Weg von der Analyse zur Lösung nachvollziehbar bleibt. Gestaltung braucht Begründung. Nicht als Rechtfertigung – sondern als Ausdruck von Klarheit. Dies ist auch wichtig, da wir bei CI-Konzepten für öffentliche Behörden immer auch Partizipation als Entwurfsprinzip mitdenken.
Case Study – Calw
Projekt: Corporate Design Calw
Entwicklung einer neuen visuellen Identität für Calw im Schwarzwald – inklusive Hauptlogo, Jubiläumslogo „950“, Kooperationslogo sowie einer Übergangsstrategie zwischen bestehendem und neuem Erscheinungsbild.
Jahr: 2024
Projektart: Kommunaler Design- / Konzeptwettbewerb
Leistungsumfang: Analyse, Leitidee, Corporate Design, Logoentwicklung, Systematik, Anwendungsbeispiele
Besonderheit: Integration einer Jubiläumsmarke und parallele Koexistenz von altem und neuem CD
Ausgangssituation & Zielsetzung
Die Stadt Calw stand vor der Aufgabe, ihr visuelles Erscheinungsbild neu zu denken. Ziel war eine starke, zeitgemäße Identität, die sowohl die historische Tiefe der Stadt als auch ihre zukünftige Ausrichtung sichtbar macht. Besonders herausfordernd war dabei die Verbindung mehrerer Anforderungen: Ein neues Hauptlogo, eine Jubiläumsmarke mit Integration der Zahl „950“ sowie ein Kooperationslogo sollten entstehen – eingebettet in ein System, das Übergänge ermöglicht und Akzeptanz schafft. Die zentrale Frage lautete: Wie kann ein neues Corporate Design entstehen, ohne die gewachsene Identität zu negieren?
Konzeptioneller Ansatz
Unser Prozess begann mit einer intensiven Analysephase und dem Besuch vor Ort. Calw ist geprägt von historischer Architektur, landschaftlicher Einbettung und kulturellem Selbstverständnis. Diese Ebenen wollten wir nicht dekorativ zitieren, sondern strukturell übersetzen.
Im Zentrum stand die Idee, Wandel nicht als Bruch, sondern als Weiterentwicklung zu verstehen. Das neue Erscheinungsbild sollte:
Gestaltung & Systemlogik
Das Corporate Design wurde nicht als Einzelzeichen, sondern als System gedacht. Neben dem Hauptlogo entstanden Varianten für Jubiläum und Kooperationen – mit einer klaren visuellen Verwandtschaft. Das komplette CD wurde in ein belastbares System entwickelt. Wesentliche Elemente waren:
Übergang & Koexistenz
Ein besonderer Fokus lag auf der Übergangsphase zwischen altem und neuem Erscheinungsbild. Statt radikaler Ablösung entwickelten wir eine Strategie, die beide Systeme temporär nebeneinander bestehen lässt.
Dieser Gedanke wurde in allen vier Konzeptansätzen mitgedacht und unterschiedlich interpretiert.
Diese Koexistenz schafft Zeit für Akzeptanz und schrittweise Implementierung. Gerade im kommunalen Kontext ist dieser Aspekt oft entscheidend für die spätere Wirksamkeit eines Designs.
Zentrale Erkenntnisse
Aus dem Projekt Calw nehmen wir vor allem drei Learnings mit:
Case Study – Nidderau
Projekt: Corporate Design Nidderau
Entwicklung eines neuen Logos und ganzheitlichen Erscheinungsbildes für die Stadt Nidderau – inklusive strategischer Leitidee, möglicher Claim-Entwicklung und eines modernen, anwendbaren Designsystems.
Jahr: 2022
Projektart: Kommunaler Design- / Konzeptwettbewerb
Leistungsumfang: Analyse, Leitidee, Logoentwicklung, Branding, Anwendungsbeispiele
Besonderheit: Entwicklung zweier konzeptioneller Richtungen mit unterschiedlicher strategischer Ausprägung
Ausgangssituation & Zielsetzung
Die Stadt Nidderau suchte ein zeitgemäßes Erscheinungsbild, das Identifikation schafft und langfristig nutzbar ist. Neben einem neuen Logo stand vor allem die Entwicklung einer tragfähigen Leitidee im Mittelpunkt – als inhaltliches Fundament für das gesamte Corporate Design. Im Fokus standen dabei mehrere Anforderungen: Modernität ohne Beliebigkeit, Wiedererkennbarkeit im regionalen Kontext sowie eine hohe Anwendbarkeit im Verwaltungsalltag und in der öffentlichen Kommunikation. Die Herausforderung bestand darin, ein Erscheinungsbild zu entwickeln, das sowohl emotional anschlussfähig als auch funktional belastbar ist.
Unser konzeptioneller Zugang
Wie auch in Calw begann der Prozess mit Analyse und Vor-Ort-Besuch. Uns interessierte nicht nur die formale Identität der Stadt, sondern ihr Selbstverständnis: Wie positioniert sich Nidderau? Welche Narrative sind bereits vorhanden? Welche Potenziale sind noch nicht sichtbar? Auf dieser Basis entwickelten wir bewusst zwei konzeptionelle Richtungen. Nicht als Varianten desselben Gedankens, sondern als unterschiedliche strategische Perspektiven. Die erste Richtung fokussierte stärker auf strukturelle Klarheit und formale Reduktion. Die zweite arbeitete mit einer emotionaleren Bildsprache und stärkerer Symbolik. Diese Gegenüberstellung machte Spannungsfelder sichtbar – und eröffnete Entscheidungsräume.
Gestaltung & Anwendbarkeit
Beide Konzepte wurden systematisch ausgearbeitet. Uns war wichtig, nicht nur ein Zeichen zu präsentieren, sondern ein funktionierendes Designsystem.
Dazu gehörten unter anderem:
Gerade im kommunalen Kontext ist Nutzbarkeit kein Nebenaspekt. Ein Erscheinungsbild muss administrativ umsetzbar sein, flexibel funktionieren und langfristig konsistent bleiben.
Leitidee & Identifikation
Ein kommunales Branding lebt von Akzeptanz. Deshalb haben wir die Leitidee nicht nur visuell, sondern auch inhaltlich formuliert – als verständliche Klammer für Verwaltung, Politik und Bürgerschaft.
Ein möglicher Claim war Teil dieser Überlegungen, nicht als Marketinginstrument, sondern als Verdichtung der strategischen Ausrichtung.
Gestaltung wird wirksam, wenn sie verstanden wird.
Zentrale Erkenntnisse
Das Projekt Nidderau hat uns erneut gezeigt:
Case Study – visitBerlin (IMEX Frankfurt)
Projekt: Messekonzept für visitBerlin – IMEX Frankfurt
Konzeption, Gestaltung und räumliche Umsetzung eines 70 qm Messestands für die IMEX Frankfurt – inklusive Raumstruktur, Materialkonzept, Renderings, Lichtplanung und ausführlichem Erläuterungsbericht.
Jahr: 2024
Projektart: Konzeptverfahren / Messegestaltung
Leistungsumfang: Raumkonzept, Gestaltung, Standbau-Konzeption, Materialcollage, Renderings, Grundrisse, Schnitte, Möblierung, Lichtkonzept
Besonderheit: Modulares, skalierbares System für unterschiedliche Standgrößen
Ausgangssituation & Zielsetzung
Für die IMEX Frankfurt sollte ein Messeauftritt entstehen, der Berlin als Marke räumlich erlebbar macht. Auf 70 qm galt es, Aufenthaltsqualität, Wiedererkennbarkeit und funktionale Anforderungen miteinander zu verbinden.
Ein Messestand ist immer eine Verdichtung: Marke, Kommunikation und Architektur treffen auf begrenztem Raum aufeinander. Ziel war es, eine klare räumliche Struktur zu entwickeln, die Orientierung bietet und zugleich eine einladende Atmosphäre schafft.
Konzeptioneller Ansatz
Im Zentrum stand die Frage: Wie lässt sich die urbane Identität Berlins in eine räumliche Sprache übersetzen?
Statt dekorativer Zitate entwickelten wir ein klares Raumkonzept mit funktionalen Zonen. Kommunikation, Begegnung und Rückzug wurden räumlich definiert und visuell miteinander verbunden.
Der Entwurf basierte auf:
So entstand ein Stand, der sowohl aus der Distanz wirkt als auch im Detail überzeugt.
Raum, Material & Atmosphäre
Materialität spielte eine zentrale Rolle. Die Auswahl folgte keinem dekorativen Anspruch, sondern sollte die urbane Charakteristik Berlins subtil transportieren. Oberflächen, Licht und Möblierung wurden aufeinander abgestimmt, um eine klare, aber warme Atmosphäre zu erzeugen.
Besonders wichtig war die Balance zwischen Offenheit und Struktur. Ein Messestand muss Aufmerksamkeit erzeugen – darf dabei jedoch nicht unruhig wirken.
Systemgedanke & Skalierbarkeit
Wie bei unseren Corporate-Design-Projekten stand auch hier der Systemgedanke im Vordergrund. Der Entwurf wurde so angelegt, dass er modular anpassbar ist und auf unterschiedliche Flächengrößen reagieren kann.
Ein gutes Messekonzept funktioniert nicht nur einmal. Es muss weiterentwickelbar sein – in Aufbau, Budget und Kontext.
Zentrale Erkenntnisse
Aus dem Projekt visitBerlin nehmen wir vor allem mit:
Prinzipien, die bleiben
Identität entsteht aus Kontext und guten Briefings
Ob Stadt oder Marke – Gestaltung beginnt nicht bei Form, sondern bei Bedeutung. Wer Identität entwickeln will, muss verstehen, woher sie kommt und wohin sie sich bewegen soll. Der Besuch vor Ort, Gespräche, Analyse bestehender Strukturen – all das ist kein Zusatzaufwand, sondern Voraussetzung.
Systeme sind nachhaltiger als Einzelideen
Ein starkes Logo ist sichtbar. Ein starkes Gestaltungs-System wirkt langfristig und ist immer skalierbar und besser für Kommunen anzuwenden. In allen drei Projekten stand die Frage im Raum: Funktioniert das Konzept im Alltag? Lässt es sich anwenden, weiterentwickeln, skalieren? Ein Erscheinungsbild oder Raumkonzept muss mehr leisten als Aufmerksamkeit. Es muss Orientierung schaffen und Stabilität bieten.
Wandel braucht Anschlussfähigkeit
Gerade im öffentlichen Kontext ist radikale Abgrenzung selten zielführend. Akzeptanz entsteht durch Verständlichkeit und Übergänge. Ob in Calw mit der Koexistenz von altem und neuem Erscheinungsbild oder bei modularen Raumkonzepten – wir verstehen Gestaltung als Weiterentwicklung. Veränderung darf sichtbar sein, aber sie braucht Argumente und Struktur.
Typische Herausforderungen
Unklare oder indirekte Briefings
In vielen Ausschreibungen gibt es keinen direkten Austausch. Rückfragen sind eingeschränkt oder gar nicht möglich. Das bedeutet: Ein großer Teil der Arbeit besteht darin, die eigentliche Aufgabenstellung aus Dokumenten herauszulesen und richtig zu interpretieren. Was immer fehlt ist der direkte Austausch – der Spirit der Behörde und der Menschen, die die neue Identität tragen, leben und auch anwenden sollen. Wir würden empfehlen eine Ausschreibung in mehreren Stufen zu unterteilen und ab Stufe 2 mit den 3-4 favorisierten Designagenturen in den Austausch zu gehen. Dann wird es richtig gut!
Viele Perspektiven, keine klare Entscheidungslinie
Entscheidungen entstehen oft im Zusammenspiel verschiedener Akteure – Verwaltung, Politik, Gremien.
Das führt dazu, dass Anforderungen nicht immer eindeutig formuliert sind und Konzepte mehrere Ebenen gleichzeitig bedienen müssen.
Hoher Aufwand bei begrenzter Sicherheit
Ein Pitch bedeutet immer eine vollständige konzeptionelle Ausarbeitung – ohne Garantie auf Umsetzung.
Das ist Teil des Systems. Gleichzeitig entsteht genau dadurch die Tiefe, die gute Lösungen überhaupt erst möglich macht. Trotzdem sollten wir Designer:innen für unsere Arbeit honoriert werden.
Mehrere gute Lösungen gleichzeitig
Ein wichtiger Punkt: In Ausschreibungen entstehen oft mehrere sehr gute Ansätze. Die Entscheidung fällt nicht ausschließlich auf Basis von Gestaltung, sondern auch durch strategische, strukturelle oder politische Faktoren.
Gestalten Sie die Zukunft Ihrer Stadt mit uns
Stadt-Branding und kommunale Designprozesse erfordern strategische Klarheit, gestalterische Präzision und ein tiefes Verständnis für Identität und Kontext. Wettbewerbe zeigen, wie komplex diese Aufgaben sind und wie wichtig ein strukturierter, fundierter Ansatz ist.
Wenn Sie ein neues Corporate Design entwickeln, ein bestehendes Erscheinungsbild weiterdenken oder einen konzeptionellen Impuls für Ihre Stadt suchen, begleiten wir Sie mit Erfahrung, Haltung und Systematik.
Kontaktieren Sie uns am besten gleich, um Ihr individuelles Projekt zu starten. Wir freuen uns auf Ihre Anfrage.
FAQ – Häufig gestellte Fragen
Was ist ein Design- oder Konzeptwettbewerb im kommunalen Bereich?
Ein Design- oder Konzeptwettbewerb ist ein strukturiertes Verfahren, bei dem mehrere Agenturen oder Büros Lösungsvorschläge für eine definierte Aufgabe entwickeln. Im kommunalen Kontext betrifft dies häufig Corporate Design, Stadtbranding oder räumliche Konzepte. Die Einreichungen werden von einer Jury bewertet und eine Lösung zur Umsetzung ausgewählt.
Warum investieren Agenturen so viel Arbeit in Wettbewerbe?
Wettbewerbe erfordern eine vollständige konzeptionelle Durcharbeitung – von Analyse über Leitidee bis zur Ausarbeitung konkreter Anwendungen. Auch wenn nicht jedes Projekt realisiert wird, schärfen diese Prozesse strategisches Denken, systemisches Arbeiten und Argumentationsklarheit.
Wie läuft ein typischer Stadt-Branding-Prozess ab?
Ein Stadt-Branding-Prozess beginnt mit Analyse und Kontextverständnis. Darauf folgt die Entwicklung einer strategischen Leitidee, die gestalterisch übersetzt und in ein konsistentes Erscheinungsbild überführt wird. Entscheidend ist dabei die Systematik – nicht nur das Logo, sondern das gesamte visuelle Gefüge.
Warum sind Vor-Ort-Besuche bei kommunalen Projekten wichtig?
Atmosphäre, Architektur, Maßstab und alltägliche Details lassen sich nicht vollständig aus Briefings oder Dokumenten erfassen. Der Besuch vor Ort schafft ein authentisches Verständnis für Identität und Potenziale – und beeinflusst die konzeptionelle Richtung maßgeblich.
Was macht ein gutes kommunales Corporate Design aus?
Ein gutes kommunales Corporate Design verbindet Identität, Klarheit und langfristige Nutzbarkeit. Es muss für Verwaltung, Bürger:innen und externe Partner gleichermaßen funktionieren und über verschiedene Medien hinweg konsistent anwendbar sein.
Warum entstehen in Wettbewerben oft mehrere starke Lösungen?
Weil unterschiedliche konzeptionelle Perspektiven jeweils valide Antworten auf die Aufgabenstellung geben können. Entscheidungen erfolgen nicht ausschließlich auf ästhetischer Basis, sondern berücksichtigen strategische, politische und strukturelle Aspekte.
Wie wird Akzeptanz für ein neues Erscheinungsbild geschaffen?
Akzeptanz entsteht durch nachvollziehbare Argumentation, klare Leitideen und eine schrittweise Implementierung. Besonders im öffentlichen Kontext sind Übergangsstrategien und transparente Kommunikation entscheidend.
Wann lohnt sich externe Unterstützung für Städte und Kommunen?
Externe Expertise ist besonders sinnvoll, wenn ein Erscheinungsbild strategisch weiterentwickelt oder neu ausgerichtet werden soll. Ein strukturierter Prozess hilft dabei, Identität zu schärfen, Orientierung zu schaffen und langfristige Konsistenz sicherzustellen.